Das Konzept der Schulgesundheitskräfte ist zwar nicht neu, in Deutschland jedoch kaum verbreitet. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) stellte am 11. Juni 2026 in der Bundespressekonferenz ihren interdisziplinären Expertenbericht “Verantwortung für die Zukunft von Kindern und Jugendlichen - Investment in die Schulgesundheitspflege/School Nursing” vor, herausgegeben vom Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e. V. (BeKD). Der Bericht fordert die flächendeckende Einführung von School Nurses (Schulgesundheitsfachkräften) an allen Schulen in Deutschland. Die Expertinnen und Experten sehen darin die Antwort auf die zunehmenden gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen und verweisen unter anderem auf Kostenvorteile. Derzeit sind deutschlandweit nur 150 Schulgesundheitsfachkräfte im Einsatz.
Warum Gesundheitsfragen nicht allein im Klassenzimmer gelöst werden können
Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, war bei der Pressekonferenz als Expertin geladen. Sie berichtet von den Herausforderungen an Schulen und betont, wie wichtig moderne Gesundheitsprävention ist. Eine große Herausforderung ist der Lehrkräftemangel, der sich auch in der Betreuung von Kindern und deren Gesundheit bemerkbar macht.
Wenn Schülerinnen und Schüler erkranken, es zu einem Unfall kommt oder sie sich nicht gut fühlen, übernehmen meist die Lehrkräfte die Erstbetreuung. Simone Fleischmann erzählt von Vorfällen aus ihrer Zeit als Schulleiterin. Die Kinder wurden ins Sekretariat gebracht, wo es zuging wie im Taubenschlag, oder zur Schulleitung, die in den meisten Fällen Termine und einen strengen Zeitplan hat. An ihrer Schule wurden die Kinder dann in einem Kopierraum behandelt. In Notfällen blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Krankenwagen zu rufen. „Was sollen wir denn sonst machen? Ich habe Angst um dieses Kind. Ich kann dem Kind nicht gerecht werden. Ich bin kein Profi.“