260612_BPK_SF.png
Bundespressekonferenz: Schulgesundheitsfachkräfte für mehr Prävention und Inklusion Startseite Topmeldung
Arbeitsbedingungen Arbeitsbelastung Bildungsgerechtigkeit Multiprofessionalität Schulpsychologe Teamfähigkeit Systemdebatte

Gesundheitslücke im Klassenzimmer

Am 11. Juni präsentierte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) den neuen Expertenbericht zur Schulgesundheitspflege. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann war als Expertin vor Ort dabei und betonte die wichtige Rolle von Schulgesundheitsfachkräften.

Das Konzept der Schulgesundheitskräfte ist zwar nicht neu, in Deutschland jedoch kaum verbreitet. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) stellte am 11. Juni 2026 in der Bundespressekonferenz ihren interdisziplinären Expertenbericht “Verantwortung für die Zukunft von Kindern und Jugendlichen - Investment in die Schulgesundheitspflege/School Nursing” vor, herausgegeben vom Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e. V. (BeKD). Der Bericht fordert die flächendeckende Einführung von School Nurses (Schulgesundheitsfachkräften) an allen Schulen in Deutschland. Die Expertinnen und Experten sehen darin die Antwort auf die zunehmenden gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen und verweisen unter anderem auf Kostenvorteile. Derzeit sind deutschlandweit nur 150 Schulgesundheitsfachkräfte im Einsatz.

Warum Gesundheitsfragen nicht allein im Klassenzimmer gelöst werden können

Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, war bei der Pressekonferenz als Expertin geladen. Sie berichtet von den Herausforderungen an Schulen und betont, wie wichtig moderne Gesundheitsprävention ist. Eine große Herausforderung ist der Lehrkräftemangel, der sich auch in der Betreuung von Kindern und deren Gesundheit bemerkbar macht.

Wenn Schülerinnen und Schüler erkranken, es zu einem Unfall kommt oder sie sich nicht gut fühlen, übernehmen meist die Lehrkräfte die Erstbetreuung. Simone Fleischmann erzählt von Vorfällen aus ihrer Zeit als Schulleiterin. Die Kinder wurden ins Sekretariat gebracht, wo es zuging wie im Taubenschlag, oder zur Schulleitung, die in den meisten Fällen Termine und einen strengen Zeitplan hat. An ihrer Schule wurden die Kinder dann in einem Kopierraum behandelt. In Notfällen blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Krankenwagen zu rufen. „Was sollen wir denn sonst machen? Ich habe Angst um dieses Kind. Ich kann dem Kind nicht gerecht werden. Ich bin kein Profi.“

BLLV fordert Einsatz von School Nurses

In seinem Positionspapier zu Schulgesundheitsfachkräften von 2023 nimmt der BLLV Stellung zum fachlichen Gesundheitsmanagement an Schulen und fordert den Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern in Bayern ein möglichst gesundes Schulleben zu ermöglichen. Denn die Verbesserung der Gesundheitsversorgung ist auch eine Frage von Bildungsgerechtigkeit und Bildungschancen. Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung oder chronischen Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes, haben teilweise einen hohen Betreuungsbedarf. Schulgesundheitsfachkräfte übernehmen dabei eine wichtige Rolle und sind verlässliche Ansprechpersonen. Sie können die Kinder professionell betreuen und so unter anderem zur Inklusion beitragen. Außerdem übernehmen sie die Akutversorgung bei Unfällen und leisten Präventionsarbeit.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann stellt bei der Pressekonferenz klar: „Wir sind sehr stark für Multiprofessionalität. Wir brauchen dringend diese Expertise, die hier schon angemahnt wurde in unseren Schulen. Und wir sind offen dafür. Uns als Lehrerinnen und Lehrern wird oftmals unterstellt, wir würden so gerne die Türen verschließen und wir hätten alle Kompetenzen in uns vereint. Das ist schon lange vorbei. Wir haben schon lange verstanden, dass wir die Herausforderungen der Welt, die uns allen in den Schulen begegnen, nicht mehr alleine bewältigen können.“

Gesundheit darf keine Nebensache sein

Gleichzeitig gibt Fleischmann zu Bedenken, dass die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften ein Prozess ist, der flächendeckend und vollumfänglich umgesetzt werden muss. „Das müssen wir auch lernen. Da braucht es nicht nur die Projektansätze und nicht mal da jemanden, mal dort jemanden – sondern Verlässlichkeit. Und Kolleginnen und Kollegen nehmen Expertise an, wenn sie genau wissen: Was ist mein Aufgabenbereich? Das können wir und das wollen wir, aber Teamkompetenz muss auch erlernt werden. Das muss man den Eltern kommunizieren und den Kindern. Aber das muss man institutionalisieren und eben nicht, wie es vorher schon gesagt wurde, im Sinne von Projektitis oder mal einen ‚Fleckerlteppich‘, die einen haben es, die anderen nicht.“

Mit Blick auf die gesundheitlichen, aber auch zahlreichen anderen Herausforderungen an den Schulen, stellt die BLLV-Präsidentin zudem die Frage in den Raum: „Was ist denn eigentlich Auftrag von Schule?“ Gesundheitsprävention, Gesundheitskompetenzen vermitteln, Schülerinnen und Schüler zu reflektieren Mediennutzer:innen machen, Demokratiebildung und vieles mehr. Dabei muss klar sein: Schule kann viel, aber Schule kann nicht alles. Gerade wenn es um die Gesundheit junger Menschen geht, dürfen Schulen mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden.

Die DDG-Veranstaltung in der Bundespressekonferenz vom 11. Juni 2026 zum Nachsehen