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Debatte um Leistungsrückmeldung in der Grundschule Startseite Topmeldung
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"Noten müssen durch ganzheitliches Feedback ergänzt werden"

Der Bayerische Rundfunk analysiert, ob der Beginn der Leistungsbewertung mit Noten schon in der 2. Klasse sinnvoll ist. BLLV-Präsidentin Fleischmann betont, dass Kinder vor allem lernförderliches, persönliches Feedback brauchen. Noten alleine greifen zu kurz.

Die wissenschaftliche Sachlage ist klar: Ziffernnoten schon in der zweiten Jahrgangsstufe zu erteilen macht pädagogisch keinen Sinn, denn Motivation und Lernfreude leiden. "Wir wissen aus der Forschung, dass mit der Einführung der Noten die Freude am Lernen sinkt – die Angst aber steigt", sagt die Professorin für Grundschulpädagogik an der LMU, Katrin Lohmann, im Gespräch mit BR24.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann kennt den Forschungsstand, aber auch die Beharrkräfte in Bayern: „Noten will die Gesellschaft, Noten kennen alle“, konstatiert sie. Entscheidend sei daher, dass es dabei nicht bleibt, sondern dass Kinder schon im Verlauf ihrer Lernprozesse zusätzlich nützliche und motivierende individuelle Rückmeldungen erhalten: „Noten müssen ergänzt werden durch ganzheitliches Feedback", stellt Fleischmann gegenüber dem BR klar.

Noten erfassen Schlüsselkompetenzen nicht

Aus ihrer Sicht fehlen bei Noten entscheidende Aspekte für das Einschätzen von Lernprozessen: Sie suggerieren Vergleichbarkeit, die in der heutigen schulischen Realität nicht gegeben ist, und können persönliche Lernfortschritte oft gar nicht abbilden. Zudem werden entscheidende Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit oder Problemlösungskompetenz nicht erfasst. „Wir hätten gerne mehr individuelles Feedback“, betont die BLLV-Präsidentin.

Interessant ist indes die Begründung des Kultusministeriums auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. „Laut Ministerium sind Noten in der Grundschule vor allem wichtig, um in der vierten Klasse zu entscheiden, wie es für die Kinder nach der Grundschule weitergeht“, schreibt BR24.

Der Übertritt wirft einen sehr langen Schatten

Also werden vor allem wegen des ohnehin umstrittenen, pädagogisch zweifelhaften bundesweiten Sonderwegs beim Übertritt in Bayern bereits drei Jahre vorher Feedback-Methoden eingesetzt, die wissenschaftlich nicht angeraten sind. Immerhin betont Ministerin Stolz ebenfalls, dass Schüler:innen neben Ziffernnoten auch kontinuierliche Rückmeldung zum Lernstand erhalten und individuell gefördert werden sollen.

Währenddessen heizt die Staatsregierung bei jeder Gelegenheit die Leistungsdiskussion an – greift dabei aber statt auf erwiesene und messbare Gelingensfaktoren für Bildungserfolge wie intrinsische Motivation und Lernfreude lieber auf die eigene, mitunter sehr lange zurückliegende Schullaufbahn zurück, die dabei gerne polemisch verklärt wird.

Was macht Erfolg, Lebensglück – einen Menschen – aus?

Ob sich auf dieser Basis Bildung so gestalten lässt, dass junge Menschen in einer immer dynamischeren Welt später Anforderungen erfüllen können, die heute noch nicht einmal bekannt sind, darf bezweifelt werden. Denn Kinder und Jugendliche brauchen heute andere Metakompetenzen, die für den beruflichen und persönlichen Erfolg entscheidend sind. Um diese zu erwerben, braucht es aber ganzheitliches Lernen, für das sich der BLLV seit Langem stark macht.

Entsprechend wünscht sich Präsidentin Simone Fleischmann einen differenzierten Blick auf junge Menschen und etwas weniger Fokus auf Ziffernnoten: "Dann könnte man hoffen, dass die Gesellschaft versteht, dass Noten einen Menschen nicht ausmachen."

» zum Bericht bei BR24: „Noten in der zweiten Klasse – ist das noch zeitgemäß?“