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Vorschläge der Enquete-Kommission „Bürokratieabbau“ im Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung Startseite Topmeldung
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Die Richtung stimmt, aber die Schritte müssen größer werden

Die Enquete-Kommission „Bürokratieabbau“ hat Mitte Februar ihre Handlungsempfehlungen für den Teilbereich Bildung veröffentlicht. BLLV-Dienstrechtsexperte Hans Rottbauer begrüßt die Entlastungen, fordert aber grundlegende Verbesserungen der Arbeitbedingungen.

In 11 Punkten hat die Enquete-Kommission „Bürokratieabbau“ Vorschläge gemacht, wie Bürokratie abgebaut und die Lehrkräfte und Schulleitungen entlastet werden können. Ziel ist die Konzentration auf Unterricht und Schülerinnen und Schüler – Vorfahrt für den Unterricht.

Ja, in den allermeisten Handlungsempfehlungen finden wir gute bis sehr gute Ansätze. Vorschläge, die von uns eingebracht wurden, finden sich ebenso wieder, wie auch Punkte, die wir schon im Vorfeld positiv gewertet haben. 

Handlungsempfehlungen sollen Entlastung schaffen

So ist die Reduzierung von Berichts- und Dokumentationspflichten ebenso zu begrüßen wie die Minimierung der externen Evaluation, die für die betroffenen Schulen nach wie vor eine große Belastung darstellt. Die Veränderung der periodischen Beurteilungen hin zu anlassbezogenen Bewertungen dagegen sehen wir eher kritisch, da eine periodische Beurteilung auch Grundlage für Beförderungen in funktionslose Beförderungsämter darstellt, die wir auch nach der Umsetzung der Eingangsbesoldung A 13 für Grund- und Mittelschullehrkräfte eindringlich fordern und die an den anderen Schularten so auch etabliert sind.

Die Verbesserungen bei Verwaltungsvorgängen, insbesondere durch die bessere Abstimmung der unterschiedlichen IT-Systeme sehen wir ebenso positiv wie die angemahnten Verbesserungen bei der Abwicklung von Förderprogrammen oder bei Beschaffungsmaßnahmen.
Vereinfachungen beim Datenschutz wären in der alltäglichen Arbeit an den Schulen natürlich erleichternd, wobei wir aber Vereinheitlichungstendenzen bei der Organisation innerschulischer Strukturen im Bereich des Classroom Managements in Hinblick auf die pädagogischen Ziele oder Erfordernisse der Einzelschulen eher kritisch sehen.
Ebenso sind natürlich Verbesserungen und Weiterentwicklungen im Bereich der Sprachstandserhebungen positiv zu bewerten, wie auch der einfachere Zugriff auf digitale Schulbücher oder die angestrebten Verbesserungen bei der Verwaltung von Ganztagesangeboten.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Insgesamt also fast durchgehend sehr positiv zu bewertende Handlungsempfehlungen, die den Schulleitungen und Lehrkräften die alltägliche Arbeit durchaus erleichtern können und natürlich dem Hauptziel „Vorrang für den Unterricht“ – unsere Arbeitszeit gehört in erster Linie den Kindern und nicht der Bürokratie – voll und ganz zu Gute kommen.

Die von der Enquete-Kommission veröffentlichten Handlungsempfehlungen sind natürlich zu begrüßen und würden, sofern sie tatsächlich umgesetzt werden und es nicht nur bei Empfehlungen bleibt, den Arbeitsalltag von Schulleitungen und Lehrkräften tatsächlich entlasten und von überbordender Bürokratie befreien. Diese Erleichterungen wären auch ein Schritt in die richtige Richtung.

Es braucht aber mehr!

Aber bei genauerer Betrachtung der Realität, ist festzustellen, dass die wirklich großen Schritte leider nach wie vor ausbleiben. Die Belastung der Kolleginnen und Kollegen an unseren Schulen ist zu groß. Statistiken zu begrenzten Dienstfähigkeiten oder sogar Dienstunfähigkeiten zeigen, dass über die Belastungsgrenze hinaus an den Schulen gearbeitet wird und viel zu viele Kolleginnen und Kollegen an diesen Belastungen zerbrechen.

Möchte man hier tatsächlich Abhilfe schaffen und die Situation erheblich verbessern, reicht es nicht, in ausgewählten Bereichen die Bürokratie abzubauen.

Nein, was wir an allen Schulen brauchen, ist eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Das Anerkennen, dass die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer, der Schulleiterinnen und Schulleiter eben nicht nur durch Bürokratie belastet wird, sondern schlicht und ergreifend eine hoch belastende und, bei ständiger Überschreitung der Belastungsgrenzen, auch oftmals krank machende Arbeit ist. Dies soll keine Jammerei sein, sondern ist der Realität an den Schulen geschuldet. Wir machen unsere Arbeit gern und lieben diese Arbeit. Wenn es aber zu viel wird, leiden wir und so ist es leider derzeit.

Handlungsbedarf bei den Arbeitsbedingungen

Deshalb brauchen wir eben Verbesserungen im Bereich der grundsätzlichen Arbeitsbedingungen. Unterstützungssysteme genauso wie genügend qualifiziertes Personal. Entlastungsmöglichkeiten durch moderne Teilzeitmöglichkeiten genauso wie einen flexiblen und individuell gestaltbaren Einstieg in den Ruhestand.
An Grund-, Mittel-, und Förderschulen wäre dies schon alleine dadurch zu erreichen, dass man endlich das nachweislich krank machende Piazolo-Paket mit seinen Einschränkungen in genau diesen Bereichen endlich zurücknimmt.

Wenn wir das schaffen und dabei auch noch sinnvolle Maßnahmen im Bereich des Bürokratieabbaus, wie in diesen Handlungsempfehlungen größtenteils schon angedacht, umsetzen, kann das große Ziel erreicht werden. Nämlich tatsächlich der Vorrang von Unterricht zu Gunsten unserer Schülerinnen und Schüler.

>> Zu den Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission „Bürokratieabbau“ im Bereich Bildung