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Schulbarometer: "Bei diesen Ergebnissen sollten bei uns allen die Alarmglocken schrillen!"

Lehrkräfte arbeiten laut Deutschem Schulbarometer hochmotiviert, kämpfen aber mit belasteten Schüler:innen, der Debatte ums Neutralitätsgebot und KI-Herausforderungen. BLLV-Präsidentin Fleischmann mahnt bessere Rahmenbedingungen an. Denn jede dritte Lehrkraft bereut ihre Berufswahl.

In der diesjährigen Befragung des Deutschen Schulbarometers standen insbesondere die Themen Demokratiebildung und Künstliche Intelligenz im Fokus. Die Ergebnisse zeigen: Lehrkräfte stellen sich den wachsenden Herausforderungen mit großem Engagement. Gleichzeitig machen die Daten deutlich, dass sie dafür klare Rahmenbedingungen und verlässliche Unterstützung benötigen.

Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die größten Belastungen im Schulalltag. 46 % der befragten Lehrkräfte nennen das Verhalten der Schülerinnen und Schüler als größte Herausforderung. Gemeint sind dabei unter anderem mangelnde Motivation, fehlender Lernwille, Konzentrationsprobleme sowie psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Lehrkräfte zunehmend mit komplexen und sich überlagernden Anforderungen konfrontiert sind. 
Neben diesen dauerhaften Herausforderungen kommen neue Aufgabenfelder wie die Demokratiebildung oder der Umgang mit Künstlicher Intelligenz hinzu.

Demokratiebildung

Lehrkräfte betrachten Demokratiebildung als Kernaufgabe von Schule. 48 % der Lehrkräfte sprechen sich für einen stärkeren Ausbau der Demokratiebildung aus. Es fehle in der Praxis laut der Befragten an Zeit, fachlicher Unterstützung und geeigneten Materialien.

Erstmals wurde auch nach dem Umgang mit politischen Meinungen im Unterricht gefragt. Die Ergebnisse zeichnen ein besorgniserregendes Bild, denn 18 % der Lehrkräfte geben an, dass sie durch das Neutralitätsgebot verunsichert seien.

„Bei diesen Ergebnissen sollten bei uns allen die Alarmglocken schrillen. Lehrkräfte haben den klaren Auftrag, demokratische Werte zu vermitteln und junge Menschen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen. Wer dabei verunsichert ist, braucht keine zusätzlichen Belehrungen, sondern Rückendeckung und Unterstützung des Dienstherren. Schulen sind die wichtigsten Orte gelebter Demokratie. Deshalb muss sichergestellt werden, dass Lehrkräfte ihren Auftrag rechtssicher erfüllen können und die notwendigen Kompetenzen und Ressourcen erhalten“, so die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann.

Künstliche Intelligenz 

Während im vergangenen Jahr noch 32 % angaben, KI-Tools mehrmals im Monat zu nutzen, liegt dieser Anteil inzwischen bei 52 %.  So nutzen Lehrkräfte Künstliche Intelligenz zwar immer häufiger, sehen aber weiterhin hohen Unterstützungsbedarf: 52 % der Lehrkräfte wünschen sich Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Lehrkräfte sich den Entwicklungen nicht verschließen. Wer den sinnvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Schulen erwartet, muss deshalb auch in Fortbildung, technische Infrastruktur und zusätzliche Ressourcen für den IT-Support investieren. Nur so kann das Potenzial der Technologie für Unterricht und Lernen ausgeschöpft werden.

Berufszufriedenheit

Trotz der zusätzlichen Anforderungen bleibt die Identifikation mit dem Beruf hoch: 83 % der Lehrkräfte geben an, mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein. Gleichzeitig würden jedoch 32 % den Lehrerberuf eher nicht oder sicher nicht noch einmal ergreifen.

Fleischmann findet klare Worte: „Die hohe Berufszufriedenheit zeigt, wie stark sich Lehrkräfte mit ihrer Aufgabe identifizieren. Gleichzeitig dürfen wir die Warnsignale nicht übersehen. Wenn fast jede dritte Lehrkraft den Beruf nicht noch einmal wählen würde, dann liegt das nicht am Beruf selbst, sondern an den Rahmenbedingungen. Schule ist heute Teamarbeit. Doch genau die Zeit für Kooperation und die notwendigen Unterstützungsstrukturen fehlen vielerorts. Das können wir uns angesichts der stetig steigenden Herausforderungen nicht länger leisten.“

Das Deutsche Schulbarometer zeigt erneut, dass die Qualität von Schule eng mit den Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte zusammenhängt. Wer mehr Leistung von Schulen fordert, muss auch bereit sein, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Das bedeutet: Lehrkräfte und Schulleitungen entlasten, multiprofessionelle Teams stärken und ausreichend Zeit für Zusammenarbeit ermöglichen. Für den Verband ist klar: Gute Bildung funktioniert nur im Team!

Einschätzung des BLLV-Dachverbands

Pressemitteilung VBE (Verband Bildung und Erziehung):
>> “Wir sind nicht neutral, wir sind demokratisch!”
VBE-Chef und 2. BLLV-Vizepräsident Tomi Neckov: “Die Ergebnisse der Umfrage zeigen ein alarmierendes Maß an Verunsicherung im Umgang mit politischen Meinungen in der Schule. Dieser Befund zeigt deutlich, welche Auswirkungen die demokratiefeindlichen Strategien aus dem rechten Lager auf die Realität haben. Betroffene Lehrkräfte werden mit Meldeportalen, parlamentarischen Anfragen und dienstrechtlichen Beschwerden zur Einschüchterung und psychischen Belastung regelrecht terrorisiert. Klar muss sein: Der Beutelsbacher Konsens formuliert kein Neutralitätsgebot. Vielmehr verlangt er von Lehrkräften den aktiven Schutz der Demokratie. Dies bedeutet, dass Lehrkräfte verpflichtet sind, sich demokratiefeindlichen, herabwürdigenden und menschenfeindlichen Entwicklungen in Schule entgegenzustellen. Lehrkräfte haben den Auftrag, demokratische Werte zu vermitteln und Schüler:innen zu einer eigenen begründeten Meinungsbildung zu befähigen. Dafür brauchen sie die volle Rückendeckung aus Politik und Gesellschaft.”