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Debatte um dänischen Gesetzesentwurf zu körperlichem Eingreifen durch Lehrkräfte

Wegen zunehmender Gewalt an Schulen will Dänemark Lehrkräften erlauben, Schüler:innen selbst aus dem Klassenzimmer zu entfernen. BLLV-Präsidentin Fleischmann stellt klar: Lehrkräfte brauchen Rückendeckung und Schulen mehr Sozialarbeitende.

Weil auch in Dänemark tätliche Übergriffe zwischen Schülern und auf Lehrkräfte zunehmen, hat der dänische Bildungsminister Heunicke den Gesetzesentwurf L45 eingebracht, der Lehrkräften erlaubt, störende Schüler:innen anzufassen und in einen anderen Raum zu bringen. Die Regelung soll ab 27. August 2027 gelten und greift bei Sachbeschädigungen, körperlichen Übergriffen, Gefährdungen von Personen, psychischen Übergriffen wie schweren Beleidigungen und erheblichen Unterrichtsstörungen durch beispielsweise Werfen von Gegenständen oder Ähnlichem. Für Lehrkräfte soll dies ein letztes Mittel sein, jeder Fall muss Eltern und dem Gemeinderat gemeldet werden.

In Deutschland liegen die Hürden höher. Körperliches Eingreifen ist prinzipiell bei Notwehr oder Nothilfe angezeigt, es greift die pädagogische Aufsichtspflicht. Eine Meldepflicht, für die sich der BLLV in seinem kontinuierlichem Einsatz für eine gewaltfreie Schulkultur seit Jahren einsetzt, gibt es nicht.

„Brauchen Rückendeckung von ganz oben“

Der Handlungsbedarf ist indes hoch, wie die Fallzahlen zeigen, die der BLLV-Dachverband VBE (Verband Bildung und Erziehung) gemeinsam mit forsa regelmäßig erhebt. Das betont auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann bei RTL Punkt 12: „Wir brauchen Rückendeckung von ganz oben, wenn’s wirklich mal eng wird. Wenn ich mal hinlangen muss, und das habe ich als Schulleiterin auch gemacht, weil die sich im Pausenhof kloppen: Was soll ich denn dann machen?“

Aus Sicht des BLLV braucht es zudem einen klaren Fokus auf Prävention, damit solche Situationen im besten Fall erst gar nicht auftreten, zumindest aber deutlich seltener werden. „Wir brauchen Schulsozialarbeiter, Jugendsozialarbeiter“, fordert Simone Fleischmann daher gegenüber RTL. 

Gewaltfreie Schulkultur muss vorgelebt und konsequent eingeübt werden

Denn die Praxis zeigt: Wo im Schulalltag kontinuierlich miteinander an einem werte- und regelgeleiteten, respektvollen Umgang gearbeitet wird, kommt es deutlich seltener zu Gewaltvorfällen. Das ist aber für Lehrkräfte angesichts steigender Herausforderungen in allen Bereichen und mangelnder Spezialexpertise nicht mal so eben nebenbei machbar – dafür braucht es gut ausgebildete Profis, stellt Simone Fleischmann klar: “Wir brauchen hier keine veränderte gesetzliche Regelung, sondern wir brauchen mehr Prävention, wir brauchen mehr Personal, das interveniert. Wir brauchen mehr Schulpsychologen, Schulsozialarbeit, Jugendsozialarbeit, Jugendpolizisten, Schulpsychologinnen, Beratungsfachkräfte. Wir brauchen schlicht mehr Multiprofessionalität, um dann einzugreifen, denn das kann nicht alles die Lehrkraft alleine machen. Aber bitte keine verschärfte Gesetzgebung im Sinne, dass die körperliche Eskalation oder gar Züchtigung in unsere Schulen Einzug hält. Das darf nicht der Weg sein!”

Stattdessen sollten sich alle fragen, welches Vorbild sie Kindern und Jugendlichen in diesen Zeiten eigentlich geben, mahnt Simone Fleischmann: “Wir müssen die Gesellschaft mit ins Boot holen. Die Gesellschaft verroht ja gerade nicht nur in Sprache, sondern leider auch in Taten. Die Schule ist Spiegel dieser Gesellschaft. Wir brauchen aber ein soziales Miteinander an den Schulen.”

Wenn sich also ein Land wie Dänemark, dessen Schulsystem in vielen Bereichen als vorbildlich gelten kann, zu einem solchen Schritt gezwungen sieht, sollte das ein Signal für die deutsche Bildungspolitik sein, mehr für die Sicherheit an Schulen zu tun. Und ein Aufruf an die Gesellschaft, Kindern und Jugendlichen ein konstruktives Miteinander vorzuleben. Denn Schulen sollen Schutzräume sein, in denen angstfrei gelernt werden kann.

» zum Bericht bei RTL: „Dänemark erteilt mehr Rechte im Klassenzimmer: Wenn Schüler zuschlagen – Was Lehrer bei Gewalt wirklich dürfen“