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„Prävention ist der bestmögliche Schutz“

Der BLLV fühlt mit den Betroffenen der Tat in Schongau und wünscht viel Kraft und gute Genesung. Präsidentin Fleischmann betont auf Medienanfrage, dass Schulen detaillierte Sicherheitskonzepte trainieren, hier aber die Gesellschaft insgesamt gefordert ist.

„Hier sind Kolleginnen und Kollegen betroffen, Kinder, Eltern, eine ganze Stadt – wir empfinden große Empathie“, sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im von der Augsburger Allgemeinen erbetenen Gespräch zu den Vorfällen am Gymnasium in Schongau. Auch im BR24 Livestream drückt sie ihr Bedauern und ihre besten Wünsche für alle Betroffenen aus. „Eltern schicken ihre Kinder in der Annahme in die Schule, dass ihre Kinder dort sicher sind. Wir Lehrerinnen und Lehrer wollen die Schüler in dieser Sicherheit bilden und erziehen. Und dann passiert sowas wie gestern. Das hebt uns aus den Angeln, das macht uns bestürzt, das macht uns betroffen, das macht uns traurig.“

Prävention und Intervention

Um das Allerschlimmste zu verhindern, muss jede Schule ein aktuelles Sicherheitskonzept für unterschiedliche Gefahrenlagen ausarbeiten und dieses mit dem Kollegium, den Eltern und den Schüler:innen trainieren, berichtet die BLLV-Präsidentin: „Darin sind alle unterschiedlichen Bedrohungslagen enthalten, wie beispielsweise Brand, Amoklauf oder Suizid und die jeweiligen Maßnahmen zu Prävention und Intervention, denn wir müssen die Schüler handlungsfähig machen in den unterschiedlichen Gefahrenlagen: Wohin flüchtet man, wie flüchtet man? Sperrt man sich ein? Macht man das Zimmer zu, geht man unter die Tische? Wie macht man das mit den Vorhängen? Was passiert mit dem Licht? Wie reagiert die Lehrerin, wie informiere ich das Sekretariat, wie nutzen wir Handys? Gibt es Funk-Gegensprechanlagen? Welche Nummer ruft man an? Das Konzept wird jedes Jahr aktualisiert, falls sich z.B. durch bauliche Maßnahmen Fluchtwege geändert haben. Wir müssen das daher jedes Jahr neu besprechen in jeder Schulanfangskonferenz, mit den Schülerinnen und Schülern, in jeder Elternbeiratssitzung. Wir sind verpflichtet, das dann auch neu zu trainieren.“

Dabei beziehen Lehrkräfte selbstverständlich auch externes Expertenwissen mit ein, betont Simone Fleischmann: „Wir arbeiten mit der Polizei zusammen, wir arbeiten mit dem schulischen Kriseninterventions und -bewältigungsteam Bayerischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen zusammen, die extra dafür ausgebildet sind.“


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Verhalten in Ausnahmesituationen

Bei BR24 darauf angesprochen, ob und wie man für solche Ausnahmesituationen überhaupt trainieren kann und ob beim aktuellen Fall alles richtig gemacht wurde, betont Simone Fleischmann, dass Sie den aktuellen Fall natürlich nicht beurteilen kann, aber dass Kritik in einer solchen Situation keinesfalls angebracht ist: “Wir trainieren das bestmöglich. Wir nehmen alle Kinder mit. Wir nehmen die Eltern mit und wir wissen, wie die Notfallpläne funktionieren. Wir wissen, wohin wir fliehen müssen. Zusperren. Das ghaben wir alles am Start. Aber Du hast Angst in so einer Situation, genauso wie die Kinder. Und die können noch schwerer damit umgehen, wie wir als Lehrerinnen und Lehrer. Die haben alles gegeben und wir hoffen, dass es bei den betroffenen Mädchen hoffentlich gut weitergeht. Wir müssen insgesamt froh sein, dass wir solche Sicherheitskonzepte haben. Und davon dürfen wir auch keinesfalls abrücken. Wir brauchen die Schulpsychologen, wir brauchen diese Kriseninterventionsteams, wir brauchen Unterstützung, auch wenn wir nicht hoffen, dass so was passiert. In diese Prävention müssen wir auch in Zukunft verdammt viel investieren.”

Zunahme psychischer und psychiatrischer Erkrankungen

Die BLLV-Präsidentin stellt aber klar, dass sich absolute Sicherheit dennoch nicht garantieren lässt: „Psychiatrisch gestörte Menschen und Menschen, die einen Amoklauf planen und durchziehen, die werden wir durch kein Sicherheitsschutzkonzept verhindern. Das passiert Gott sei Dank sehr selten. Aber jeder Fall ist einer zu viel. Wir müssen daraus immer, bei jedem einzelnen Fall, Konsequenzen ziehen – und zwar nicht nur die Schulen.“

Denn der BLLV blickt mit Sorge auf die Verschlechterung der psychischen Gesundheit bei Schülerinnen und Schülern insgesamt: „Laut aktueller Umfrage des Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung sind 25 % aller Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 16 psychisch und psychiatrisch belastet. Wir müssen uns einfach die Frage stellen: Wo führt denn das längerfristig hin? Wir haben Angst, dass solche Fälle wie gestern öfter auftreten.“

Vernetzung, Kooperationen und ein klarer Fokus auf das Wichtige!

Damit das nicht passiert, müssen Schulen hier einen klaren Fokus legen dürfen, fordert Simone Fleischmann: „Wir dürfen keinen Millimeter weichen, wenn es um die Gewaltprävention an Schulen geht. Wir müssen den Auftrag wahrnehmen, Kinder und Jugendliche gewaltfrei zu erziehen. Das müssen wir schaffen. Projekte, demokratiebildende Maßnahmen, Anti-Gewalt-Erziehung, Anti-Mobbing-Erziehung, Elternarbeit, Arbeit mit Schulpsychologen, aber eben auch mit externen Experten. Wir können hier nicht sparen, wenn wir wissen, dass 25 % der Kinder psychiatrische und psychische Störungen haben, und die sind alle in der Schule. Prävention darf keinesfalls gestrichen werden. Wir müssen schaffen, dass Kinder, die vielleicht nicht mehr ein und aus Wissen, andere Handlungsalternativen erlernen, andere Verhaltensweisen an den Tag legen können: gewaltfreie Kommunikation, gewaltfreie Erziehung, Demokratiebildung, der Zusammenhalt, den wir in der Schule bieten können. Ja, Mathematik ist wichtig, Lesen, Rechnen, Schreiben ist wichtig – aber wir müssen einfach erkennen, dass wir auch hierfür einen gesellschaftlichen Auftrag haben.“

Diesen Auftrag können Schulen nur in Kooperation erfüllen – und brauchen dafür breite Unterstützung, sagt die BLLV-Präsidentin: „Wir dürfen die Schulpsychologen nicht abziehen, da brauchen wir eher mehr als weniger. Wir müssen auch Jugendpolizisten die Chance geben, dass sie intensiver mit uns zusammenarbeiten. Im öffentlichen Dienst fehlt aber hinten und vorn Personal, bei den Lehrern genauso wie bei den Polizisten. Diese Berufe müssen attraktiv gemacht werden, damit mehr Menschen einsteigen. Wir dürfen da keinesfalls auch nur ein bisschen was sparen.“


Artikel Augsburger Allgemeine online vom 9. Juli 2026

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