Die große Politik setzt auf schnelle, pointierte Botschaften – nicht selten so verkürzt, dass das die Realität mindestens verzerrt, wenn nicht gar ganz an ihr vorbeigeht: Statt Schulen einen echten partizipativen Schulalltag zu ermöglichen, in denen Schüler:innen durch verantwortliches Mitbestimmen Demokratie nicht nur als Schlagwort wahrnehmen, sondern konstruktives Zusammenleben täglich einüben, gibt’s die Verfassungsviertelstunde und von oben verordnetes Hymnensingen. Dazu die Bewegungshalbestunde, Lehrkräfte-Bashing bei der Teilzeit und hektisch eingeführte Sprachstandstests.
Dass es auch anders geht, hat ein Treffen in Triftern gezeigt: Zu einem „Wirtshaus-Bildungsgespräch“ trafen sich dort BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann und Vertreter:innen der BLLV-Kreisverbände Pfarrkirchen, Eggenfelden und Simbach mit dem Landtagsabgeordneten Martin Wagle (CSU). Der niederbayerische Bezirksvorsitzende Hans Rottbauer moderierte den Austausch.
Bittere Realität: Lehrermangel und immer komplexere Aufgaben
Und es wird wie erhofft ein sehr offenes und konstruktives Gespräch, wie auch die Passauer Neue Presse berichtet: „Der Lehrermangel ist für uns täglich bittere Realität“, eröffnet Pfarrkirchens Kreisvorsitzende Daniela Bertl und schildert: „Unsere Arbeit wird immer komplexer – wir leisten täglich eine Bildungs-, Erziehungs- und Integrationsarbeit, die weit über das Unterrichten hinausgeht.“
Jetzt auch noch die Klassenstärken zu erhöhen, ist daher keine sinnvolle Reaktion auf Lehrkräftemangel und knappe Kassen, stellt dazu BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann klar: „Mit größeren Klassen wird individuelle Förderung endgültig zur Illusion.“
Was nicht da ist, kann man nicht besser verteilen…
Martin Wagle räumt ein, dass derzeit Lehrkräftestunden „zu mathematisch-rechnerisch“ zugewiesen werden und würde Schulen gerne „mehr Beinfreiheit“ bei ihren Entscheidungen geben.
Der BLLV setzt sich zwar seit Langem für eigenverantwortliche Schulen ein, doch in der aktuellen Lage stößt auch diese Konzept an seine Grenzen, stellt Simone Fleischmann klar: „Eigenverantwortung klingt toll, aber wenn im Fassl nichts drin ist, funktioniert auch das nicht!“ Schulleitungen seien mangels Personal längst nur noch am Löcher stopfen. Wichtige Angebote wie AGs, Chöre, Sportgruppen oder sonstige Förderprogramme gibt es so gut wie nicht mehr.
Zuhören ist ein guter erster Schritt
Deswegen braucht Bildung in Bayern eben mehr als „Pflaster-Politik“, sondern mehr Personal, mehr Zeit und mehr multiprofessionelle Teams an den Schulen, fordern die BLLV-Vertreterinnen und Vertreter. „Uns brennt sehr viel auf den Nägeln“, verdeutlicht Hans Rottbauer im Gespräch mit Martin Wagle: „Wir brauchen Ihre Unterstützung, damit wir unseren Job so machen können, wie wir wollen und sollen.“
Der BLLV konnte die Lage an den Schulen mit seiner praktischen Expertise im Detail beschreiben und fand Gehör für die daraus abgeleiteten Anliegen. Dringend benötigte Veränderungen können schließlich nur gelingen, wenn ein gemeinsames Verständnis der schulischen Wirklichkeit besteht. Es wäre zu hoffen, dass dies auch im größeren Rahmen gelänge. Anlass zur Hoffnung bot dieses neue Gesprächsformat auf jeden Fall.
» zum Bericht der Passauer Neuen Presse: „Pädagogen und Politiker in Rottal-Inn: ‘Lehrermangel ist täglich bittere Realität‘“
Bildungsgespräch in Triftern
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Schlagworte und Symbolpolitik bringen nichts, wenn überall Lehrkräfte fehlen
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, Niederbayerns Bezirksvorsitzender Hans Rottbauer und Vertreter der Kreisverbände Pfarrkirchen, Eggenfelden und Simbach treffen MdL Martin Wagle (CSU) zu einem offenen und konstruktiven Bildungsgespräch in Triftern.