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Wenn Kinder über sich hinauswachsen

Ob die Trennung der Eltern, Mobbing in der Schule oder Angst vor Monstern – Kinder erleben oft schon in jungen Jahren große Herausforderungen. Die neuen Buchtipps handeln von genau solchen Lebensphasen und davon, wie die Protagonist:innen sie meistern.

Papa ist ein Eisbär

von Edward van de Vendel

 

 

 

  • Illustrationen: Saskia Halfmouw
  • Verlag: Carlsen
  • ISBN: 978-3-551-55973-9
  • Preis: 12,00 Euro
  • Seiten: 64
  • Altersempfehlung: ab 6 Jahren

Mares Eltern haben sich getrennt. Sie und ihrer kleiner Bruder Danko besuchen ihren Papa alle vierzehn Tage am Wochenende. Danko ist ein wenig merkwürdig, wie Mare findet. Er ist immer grün gekleidet und interessiert sich brennend für Tiere. Eines Tages erklärt er, ihr Papa sei ein Eisbär. Davon lässt er sich lange nicht abbringen, bis ein Tierfilm, den die Kinder mit ihrem Papa ansehen, die Wende bringt.

Ein wunderbares Kinderbuch, das nicht zuletzt von den kongenialen Illustrationen lebt, die die erzählten Situationen einfühlsam in Szene setzen. Kindgerecht und einfühlsam wird nicht nur die Situation von Scheidungskindern, sondern auch die der getrenntlebenden Elternteile vermittelt.

Inhalt

Mare geht bereits in die Schule, während ihr vierjähriger Bruder Danko noch den Kindergarten besucht. Sie mag ihn sehr, findet ihn allerdings ein wenig „komisch“, denn er ist immer grün gekleidet und er interessiert sich brennend für Tiere. Sein ungewöhnlich großes Wissen zu diesem Thema muss er unbedingt auch anderen mitteilen, so zum Beispiel Fahrgästen in der Straßenbahn, die sie gar nicht kennen. 

Mit der Straßenbahn sind die Geschwister häufiger unterwegs, denn ihr Papa lebt nach der Scheidung in einem weiter entfernten Stadtteil. Sie besuchen ihn alle vierzehn Tage am Wochenende, ansonsten leben sie bei ihrer Mutter.

Als Danko eines Abends erklärt, ihr Papa sei ein Eisbär, versteht Mare überhaupt nicht, was er damit meint. Er lässt sich davon aber nicht abbringen und wiederholt diese Aussage wochenlang immer wieder. Als sie schließlich gemeinsam mit ihrem Papa einen Film über Eisbären und das Verhalten der Eisbärväter anschauen, wird Mare klar, wie Danko darauf gekommen ist. Die Eisbärmännchen kümmern sich nämlich nicht um ihren Nachwuchs, der allein von der Mutter aufgezogen wird. Dass sein Papa aber selbst auch darunter leidet, seine Kinder so selten sehen zu können, wird Danko klar, als er merkt, dass sein Papa während des Films leise weint. 

Bewertung

Ein wunderbares Kinderbuch, das nicht zuletzt von den kongenialen Illustrationen lebt, die die erzählten Situationen einfühlsam in Szene setzen und besonders die Gefühle der Figuren lebendig veranschaulichen. Geschwisterliebe ist ein großes Thema, denn die Leserinnen und Leser spüren, wie sehr Mare, Dankos große Schwester, ihren kleinen Bruder liebt, obwohl sie ihn häufig „merkwürdig“ findet und sich sogar für sein Verhalten entschuldigt. Dabei ist Danko selbst auch ein sehr liebenswertes Kind, das offensichtlich ganz besondere Begabungen und Interessen hat.

Kindgerecht und einfühlsam wird nicht nur die Situation von Scheidungskindern, sondern auch die der getrenntlebenden Elternteile vermittelt – ob es nun die durch die Doppelbelastung von Beruf und Kinderbetreuung überforderte Mutter ist, oder der Vater, der seine Kinder nur relativ selten sehen und daher vieles in deren Leben nicht miterleben kann. So finden sich selbst betroffene Kinder hier in der Erzählung wieder, andererseits weckt die Geschichte auch Verständnis für Scheidungskinder und -eltern. 

Große Empfehlung!

Wir zwei gegen die Pissratten

von Oskar Kroon

 

 

 

  • Verlag: Thienemann
  • ISBN: 978-3-522-18687-2
  • Preis: 13,00 Euro
  • Seiten: 158
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Kajs älterer Bruder Krister wird zum Mobbingopfer der „Pissratten“. Kaj versucht seinem Bruder zu helfen, doch am Ende kommt es zur Katastrophe. 

Ein packendes Buch, welches das Thema Mobbing auf drastische Weise aufgreift. Es ist durchaus ein Appell an die Erwachsenen, genau hinzusehen und gegebenenfalls einzugreifen.

Inhalt

Kaj liebt seinen großen Bruder Krister sehr. Dieser ist ein besonderer Junge, er lebt in seiner eigenen Welt. Mit großer Sorge beobachtet Kaj, wie Krister von Sacke und seinen Kumpels gemobbt wird. Ihre Übergriffe werden immer schlimmer und gewalttätiger. Kaj versucht, seinen großen Bruder zu beschützen und ihm so gut als möglich zu helfen. Das gelingt ihm jedoch kaum, denn Krister wiegelt aus Angst, dass die Gewalttaten seiner Peiniger noch schlimmer werden könnten, ab. Die Erwachsenen, denen Kaj davon erzählt und die er um Hilfe bittet, nehmen die Mobbingvorfälle nicht ernst genug. 

So beschließen Kaj und seine Freundin Naima Krister zu rächen und so die Gewalttaten zu stoppen. Aber Sacke schlägt zurück. Er zündet den Schrottplatz an, auf welchem sich Krister gerade befindet. Sacke selbst wird von den Rettungskräften herausgeholt. Kaj weiß genau, wo sich sein Bruder befindet. Er wächst über sich hinaus und begibt sich selbst in Lebensgefahr, indem er trotz der Flammen auf das Gelände rennt und versucht, seinen Bruder aus der Gefahrenzone zu ziehen. Doch dann explodiert das Häuschen für Gefahrenabfälle. Beide Brüder überleben das Inferno.

Bewertung

Bereits der Prolog packt die Lesenden und macht neugierig auf das, was „in diesem grässlichen Winter passiert ist“. Kaj erzählt aus der Ich-Perspektive von seinem innigen Verhältnis zu seinem großen Bruder. Aus seiner Sicht erlebt man die brutalen Mobbingaktionen der Pissratten und muss aushalten, wie er immer wieder versucht, seinem Bruder gegen dessen Willen zu helfen oder Hilfe zu holen. Gewalt erzeugt Gegengewalt und am Ende eskaliert die Situation bis dahin, dass es Tote hätte geben können. 

Ausdrucksstark, berührend, teils poetisch anmutend wird die Geschichte erzählt, die ein leider nur allzu aktuelles Thema aufgreift und dabei den Leserinnen und Lesern unter die Haut geht. Deutlich werden die Hilf- und Machtlosigkeit der einzelnen Protagonisten dargestellt. Abschließend stellt sich die Frage: Wie können solche Spiralen der Gewalt verhindert werden?

Ein aufwühlendes Buch, das zu Recht 2023 mit dem August-Preis, Schwedens renommiertestem Literaturpreis, ausgezeichnet wurde.

Manno Monster und ich

von Katja Reider

 

 

 

  • Illustrationen: Daniela Kohl
  • Verlag: Hanser
  • ISBN: 978-3-446-28147-9
  • Preis: 15,00 Euro
  • Seiten: 155
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Jussi fürchtet sich in der Dunkelheit vor Monstern. Als er eines Tages wirklich eines unter seinem Bett entdeckt, ist sein Schreck groß. Doch rasch zeigt sich, dass er vor ihm keine Angst zu haben braucht. Schließlich werden sie gute Freunde und stellen gemeinsam fest, dass sie sich nicht mit ihren älteren Geschwistern messen, sondern sich so akzeptieren sollten, wie sie sind.

Eine inhaltlich wie gestalterisch überzeugende Geschichte, die – selbst, wenn ein Monster lebendig wird – in vielerlei Hinsicht mitten aus dem Leben gegriffen scheint und auch die erwachsenen Lesenden schmunzeln lässt.

Inhalt

Sobald das Licht ausgeschaltet wird, fühlt sich Jussi gar nicht mehr wohl in seinem Zimmer, denn er fürchtet sich vor den Monstern, die dann überall in seinem Zimmer lauern. Was für ein Schreck, als er eines Tages wirklich ein Monster unter seinem Bett entdeckt! Es erweist sich allerdings als sehr freundlich, stellt sich höflich als „Manno“ vor und erklärt, aus Wildesmonsterhausen zu kommen. Dort besuche er die vierte Klasse, und weil er bislang im Monsterunterricht, also damit, Menschen zu erschrecken – anders als sein Bruder Karacho – wenig erfolgreich gewesen sei, sei Jussi ihm als Kandidat zugewiesen worden. Jussi sei nämlich einer, den man sehr leicht erschrecken könne.

Von nun an besucht Manno Jussi jeden Abend und zwischen den beiden, die sich in gewisser Weise recht ähnlich sind, entwickelt sich eine richtige Freundschaft, während Jussi sich durch seinen Alltag kämpft. So muss er die Schule bewältigen und sich in seiner anstrengenden Familie behaupten. Sein Vater meint nämlich unbedingt, Jussi beim Lernen und vielen Dingen, die er für die Schule zu erledigen hat, unterstützen zu müssen, und schießt dabei ordentlich übers Ziel hinaus. Jussis ältere Schwester Leo muss, anders als Jussi, seit jeher nicht viel für die Schule lernen. Sie ist schon in der Pubertät und sorgt mit ihrer schlechten Laune regelmäßig für „dicke Luft“. Am meisten aber setzt ihm Vince zu, der kürzlich mit seinem Vater ins Nebenhaus gezogen ist und sich als richtiger „Kotzbrocken“ erweist. 

Wer hätte gedacht, dass es Jussi ausgerechnet mit Hilfe von Manno (und seinem kleinen Hund Fussel) gelingt, Vince einen gehörigen Schreck einzujagen und aus dem großspurigen „Großmaul“ einen kleinlauten und letztlich recht netten Jungen zu machen? Und mit der ganzen Aktion kann Manno endlich auch in Wildesmonsterhausen punkten. 

Bewertung

Mit dem Thema „Angst vor Monstern im Dunklen“ spricht die spannende Geschichte ganz bestimmt viele Kinder an. Aber auch die anderen Probleme, mit denen sich der Ich-Erzähler Jussi herumschlagen muss, sind sicherlich vielen nur allzu bekannt. Die Autorin weiß darum und lässt Jussi die Lesenden direkt einbeziehen: Jussi spricht sie immer wieder direkt an und gibt ihnen die Gelegenheit, ihre eigenen Erfahrungen oder Gedanken zum gerade Erzählten zu äußern/notieren. 

Nicht nur wunderbar gezeichnet ist das liebenswerte kleine Monster, das so furchtbar gerne genauso furchterregend sein möchte wie sein großer Bruder Karacho. Hier spiegelt sich Jussis eigene Situation wider, denn er leidet wie Manno sehr darunter, dass seine große Schwester Leni eine „Überfliegerin“ ist, die sich in der Schule kaum anstrengen muss. 

Geschickt eingesetzte Comic-Elemente – immer wieder sind ganze Seiten im Comicstil gehalten – lockern den Text auf und machen ihn ebenso lebendig wie die vielen liebevollen Illustrationen, die die Handlung veranschaulichen.

Alles in allem eine inhaltlich wie gestalterisch überzeugende Geschichte, die – selbst wenn ein Monster lebendig wird – in vielerlei Hinsicht mitten aus dem Leben gegriffen scheint und auch die erwachsenen Leserinnen und Leser schmunzeln lässt.

 

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