Zwischen Verbrechen und Verantwortung
Drei Geschichten, drei Geheimnisse: In den aktuellen Buchtipps vom Forum Lesen geht es um mysteriöse Fälle und Zeitreisen, die fesselnd geschrieben und zugleich kindgerecht verpackt sind. Spannung ist garantiert!
Die Eiskinder
Von M.G. Leonhard
- Übersetzung: Meritxell Janina Piel
- Verlag: WOOW Books
- ISBN: 978-3-03967-050-5
- Preis: 18,00 Euro
- Seiten: 296
- Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Die elfjährige Bianca ist entsetzt, als sie ihren kleinen Bruder Finn in der Nacht zum 1. Dezember lebendig zu einer Eisstatue gefroren im Park vorfinden. Sein Herz schlägt und er lächelt friedlich. Jede nun folgende Nacht kommen neue „Eiskinder“ dazu. Während ihre Eltern und die anderen Erwachsenen völlig ratlos sind, ist Bianca fest entschlossen, Finn und die anderen Kinder zu retten.
Die packend geschriebene, fantasievolle Geschichte spielt mit altbekannten Märchen- und Sagenmotiven und nimmt sich gleichzeitig mit dem Klimawandel eines sehr aktuellen Themas in kindgerechter Weise an.
Inhalt
Die elfjährige Bianca ist entsetzt, als sie ihren kleinen Bruder Finn in der Nacht zum 1. Dezember lebendig zu einer Eisstatue gefroren im Park vorfinden. Sein Herz schlägt und er lächelt friedlich. Während ihre Eltern und die anderen Erwachsenen völlig ratlos sind, ist Bianca fest entschlossen, Finn zu retten.
In den nächsten Nächten werden es immer mehr Kinder, die eingefroren sind. Einen ersten Hinweis auf den tieferen Sinn des rätselhaften Vorgangs ist ein Gedichttext, den Bianca auf dem Eissockel entdeckt. Er spricht davon, dass es allein mit den Herzen der Kinder möglich sei, den Winter zu retten, der durch das Ansteigen der Temperaturen zu verschwinden droht. Bianca versteht diesen Hinweis noch nicht, erkennt aber, dass die Kinder in Lebensgefahr schweben. Sie ist außerdem überzeugt davon, dass Finns Einfrieren und das der anderen Kinder etwas mit den silbrig glänzenden Büchern zu tun hat, die die Kinder jeweils kurz zuvor aus der Bücherei ausgeliehen und nicht mehr aus der Hand gegeben haben.
Auf magische Weise gelangt sie in eine winterliche Parallelwelt, eine winterliche Traumwelt, wo sie die Eiskinder tatsächlich findet, aber rasch erkennt, dass diese ihre Erinnerung an die reale Welt verloren haben. Sie stehen völlig unter dem Bann der Schneekönigin und besonders ihres Bruders Jack Frost. Bianca begreift, dass sie sie nur retten kann, wenn es ihr gelingt, diese Erinnerung wieder zum Leben zu erwecken. Dafür hat sie aber, wie sie herausfindet, nur Zeit bis zur Nacht der Wintersonnwende. Und damit beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
Bewertung
Die packend geschriebene, fantasievolle Geschichte entführt die Lesenden in eine Winter-Traum-Welt. Sie spielt mit altbekannten Märchen- und Sagenmotiven und nimmt sich gleichzeitig mit dem Klimawandel eines sehr aktuellen Themas in kindgerechter Weise an. Biancas Gegenspieler ist nämlich eine Figur, die aus vier Einzelwesen zusammengesetzt ist und deren Kopf die allegorische Gestalt Jack Frost ist. Das Ziel von Frost ist es, seine Schwester, die Schneekönigin Eishilde, und mit ihr den Winter zu retten. Durch den menschengemachten Klimawandel und die Erhöhung der Temperaturen droht dieser zu verschwinden.
Die Protagonistin erkennt das Problem, um das es geht, und in typischer Heldinnenmanier findet sie eine geeignete Lösung. Sie schwört die Kinder und damit auch die Lesenden darauf ein, die Verantwortung für die Natur und damit für die eigene Zukunft zu übernehmen.
Hier ist ein echter Lesegenuss geboten, geeignet nicht nur für kalte (oder auch zu wenig kalte) Wintertage, mit einer wichtigen Aussage.
Noa im Nachtgebirge
Von Sophie Hardach
- Verlag: Jungbrunnen
- ISBN: 978-3-7026-6031-4
- Preis: 18,00 Euro
- Seiten: 200
- Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Der Sommeraufenthalt bei ihrer Tante Leonora auf der einsam gelegenen Steinberglalm im Nachtgebirge wird für die 11-jährige Noa zu einem großen Abenteuer. Sie bewährt sich in der Abgeschiedenheit des Hochgebirges als mutiges und empathisches Mädchen und findet heraus, was es mit der Legende von den „Wintersennern“ auf sich hat.
Eine spannende und emotional dichte Geschichte, die die Lesenden in die Hochgebirgswelt mit ihrer wilden Natur und den dort verwurzelten Menschen und ihren Sagen und Mythen entführt. Mühelos gelungen ist der Wechsel zwischen Realität und Mystery, der ein angenehmes Schaudern vermittelt.
Inhalt
Trotz aller Bemühungen wird die 11-jährige Noa von den „angesagten“ Mädchen in ihrer Schule nicht akzeptiert. Da ist die Sommerreise zu ihrer Tante Leora, die seit einiger Zeit als Sennerin eine Gebirgsalm bewirtschaftet und Ziegen hält, ein willkommenes Ziel für die Sommerferien, denn dort wird, so vermutet sie, sicher niemand ihr Aussehen bewerten.
Schon die Anreise gestaltet sich abenteuerlich, denn die Steinberglalm befindet sich nicht etwa im vielbesuchten Sonnental, sondern liegt viel höher im schwer zugänglichen Nachtgebirge, hoch über Sankt Anna. Erreichbar ist sie nur über einen steilen Bergpfad. Der gleichaltrige Sepp, den sie schon im Zug kennenlernt, warnt sie vor einem Aufenthalt dort oben.
Ihre Tante nimmt sie mit offenen Armen in ihrer Bergeinsamkeit auf. Rasch sind Noa die Abläufe und täglichen Rituale auf der Alm geläufig und sie geht ihrer Tante tatkräftig bei der Arbeit mit den Ziegen zur Hand. Doch schon von Anfang an macht Noa höchst mysteriöse Wahrnehmungen, die die Anwesenheit von Kindern in ihrer mittelbaren Nähe nahelegen, die ihre Tante allerdings immer als unglaubwürdig abtut. Das Mädchen aber lässt sich mutig darauf ein und so kommt sie der Legende von den Wintersennern auf die Spur und findet schließlich nicht nur in Sepp, sondern auch in Anton und Resi Freunde, die zu ihr halten.
Bewertung
Es ist eine wildromantische Gebirgslandschaft, die den Schauplatz dieser emotional dichten Geschichte mit ihren mysteriösen Begegnungen abgibt. Sie wird zum Spiegel seelischer Vorgänge. In ihr findet die Protagonistin nicht nur zu sich selbst und zu Selbstvertrauen und Mut, sondern sie findet auch die Freunde, die sich so sehr gewünscht hat. Die Lesenden verfolgen mit Spannung, wie Noa ihre eigenen Probleme hintanstellt und alles daransetzt, anderen zu helfen.
Kindgerecht und zugleich eindrucksvoll wird die wilde Gebirgslandschaft dabei in lebendigen Bildern geschildert. Die Kapitel sind jeweils kurz gehalten und stellen so auch für ungeübtere Lesende überschaubare Lesemengen dar. Knappe Kapitelüberschriften geben einen knappen Hinweis auf den jeweiligen Inhalt und machen neugierig. Ein fesselndes Abenteuerbuch, durchzogen von geheimnisvoller Spannung!
Mika Mysteries
Von Johan Rundberg
- Übersetzung: Franziska Hüther
- Verlag: magellan
- ISBN: 978-3-7348-4764-6
- Preis: 17,00 Euro
- Seiten: 174
- Altersempfehlung: ab 13 Jahren
Mika, die 12-jährige Protagonistin des Krimis, der um 1880 in Stockholm spielt, lebt im Waisenhaus und hat sich, um in einer rauen Umwelt am Leben zu bleiben, eine genaue Beobachtungsgabe angeeignet. Diese fällt auch Kommissar Hoff auf, der in einem Mordfall ermittelt. Es erweist sich als eine gute Entscheidung, dass er sie zu seinen Ermittlungen hinzuzieht.
Ein ungemein fesselnder Roman für Jugendliche mit einer liebenswerten Protagonistin. Neben der spannenden Krimihandlung, bei der der Leser selbst miträtseln kann, bietet er eine Vorstellung vom harten Leben des einfachen Volkes am Ende des 19. Jahrhunderts in Stockholm. Sehr empfehlenswert!
Inhalt
Stockholm im Jahre 1880. Die ganze Stadt ächzt unter einem strengen Winter. Unter großem Hunger und der klirrenden Kälte leiden auch die Kinder im städtischen Waisenhaus. Zu ihnen gehört die 12-jährige Mika, die hier seit ihrer Geburt lebt und inzwischen zu einer Art Mitarbeiterin und guter Vertrauten für die jüngeren Kinder geworden ist.
Eines Nachts nimmt sie ein Neugeborenes entgegen und erfährt wenig später von einem Mord, der etwa zeitgleich stattgefunden hat. Er trägt die Handschrift des „Nachtraben“, der mit seinen Untaten vier Jahre lang die Stadt in Angst und Schrecken versetzt hat, weil er seine Opfer scheinbar wahllos aus der Bevölkerung herausgegriffen hat, bis er schließlich gefasst und zum Tod verurteilt worden ist.
Valdemar Hoff von der Kriminalpolizei, mit der Suche nach dem Mörder beauftragt, wird darauf aufmerksam, dass das Waisenmädchen Mika eine sehr genaue Beobachtungsgabe und einen scharfen Verstand hat. Daher zieht er sie zu seinen Ermittlungen hinzu. Rasch finden die beiden heraus, dass der „Nachtrabe“ nicht hingerichtet worden, sondern in Wirklichkeit aus dem Gefängnis entkommen ist und seine Flucht von der Polizei vertuscht worden ist. Besteht nun wieder für alle Stockholmer die Gefahr, Opfer des „Nachtraben“ zu werden?
Bewertung
Der spannende Krimi, dessen schöne, oft gewählte Sprache auffällt, nimmt die Lesenden mit in eine düstere Zeit: Das Leben des einfachen Volkes um 1880 herum ist geprägt von Armut und brutaler Gewalt, nicht nur unter den Erwachsenen, sondern auch gegen Kinder. Mit Mühe und Not können die Kinder in den Waisenhäusern mit einfachster Nahrung versorgt werden. Kinderarbeit – die 12-jährige Protagonistin arbeitet in einer Kneipe – ist an der Tagesordnung. Auch auf die Polizei ist kein Verlass. Dieses Setting, in dem sich die Krimigeschichte abspielt, ist sicher nicht ganz leicht „zu verdauen“, weshalb das Lesealter nicht zu früh anzusetzen ist.
Die Protagonistin Mika, eine richtig „taffe“ Heldin, die man rasch ins Herz schließt, weiß sich in dieser Umwelt zu behaupten. Man beobachtet mit Freude, wie sich ihr Verhältnis zu dem brummigen Kommissar Hoff entwickelt, und erlebt mit Genugtuung, wie er sich mehr und mehr auf ihren Scharfsinn, ihre Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis verlässt. Letztlich ist sie es, die die entscheidenden Schlüsse für die Auflösung des Falles zieht. Herzerwärmend ist auch die Gemeinschaft unter den Waisenkindern bzw. die Unterstützung, auf die sich Mika von Seiten anderer in der Stadt verlassen kann. Der Wert von Zusammenhalt und Füreinander-Einstehen ist es, der in „Mika Mysteries“ zusammen mit der spannenden Krimihandlung vermittelt wird.
Nicht gelüftet wird bis zum Ende das Geheimnis um Mikas Herkunft – möglicherweise Stoff für die Fortsetzung in Band zwei der Reihe „Mika Mysteries“, der bereits erschienen ist.
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