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„Ich war mein Leben lang gerne Lehrer, aber der Beruf wird immer schwieriger“

Der ehemalige BLLV-Kreisvorsitzende in Passau, Hans Weidmann, und seine Nachfolgerin Elisabeth Pöschl berichten in der Passauer Neuen Presse über erhöhte Förderbedarfe bei Schüler:innen, Dauerüberlastung im Kollegium und das Hochgefühl, wenn Bildung gelingt.

Elisabeth Pöschl stellt gleich zu Beginn des Gesprächs klar, wie viel schwieriger der Lehrberuf geworden ist: „Es häufen sich bei den Schülern die Förderbedarfe im Bereich Sprache, Lernen und sozial-emotionale Probleme.“ Vorgänger Hans Weidmann betont daher den dringenden Bedarf an Multiprofessionalität, für die sich der gesamte BLLV und Präsidentin Simone Fleischmann immer wieder stark machen. Auch für die Umsetzung echter Inklusion sei Personalmangel ebenso ein Problem wie an Förderschulen.

Pöschl und Weidmann berichten von einem Teufelskreis, insbesondere an Mittelschulen: Weil die Arbeit dort immer schwieriger wird, dort aber auch die meisten Lehrkräfte fehlen, wirft der Nachwuchs oft schon nach dem ersten Praktikum im Studium das Handtuch. „Das ist schon bitter“, klagt Weidmann. „Bei den Mittelschulen ist es bodenlos. Wir kriegen keine Lehrer mehr.“ Aber auch erfahrene Kolleg:innen geben immer häufiger auf, berichtet Pöschl: „Selbst die, die einen guten Job machen, schauen, wie sie aus dem Beruf rauskommen. Die Schülerschaft ist so schwierig, dass sie zum Teil fast nicht mehr händelbar ist.“ Beide sind sich einig, dass Quereinsteiger dieses Problem nicht lösen können.

Wenn die Erleichterung durch Teilzeit fehlt, hören viele ganz auf

Auch der Druck durch Eltern werde an allen Schularten höher. „Juristische Beratungen nehmen zu“, sagt Hand Weidmann. Elisabeth Pöschl erläutert: „Wenn Probleme in der Schule auftreten, etwa im sozial-emotionalen Bereich, sehen die Eltern das Problem oft nicht und meinen, die anderen Kinder sind schuld. Der Ton der Eltern ist oft sehr aggressiv, Förderbedarf wird abgeblockt. Es ist schwierig, den Eltern klar zu machen, dass sie eine Diagnostik für das Kind brauchen.“

In dieser Gemengelage war die Einschränkung der Teilzeit fatal, berichtet Weidmann: „Der Dienst ist mittlerweile deutlich belastender geworden. Je länger man ihn ausübt, desto belastender wird er für einen. Einige schaffen es nicht mehr. Uns wurde ja die Möglichkeit zu Teilzeit gekürzt – wenn nun diejenigen, die bewusst weniger Stunden gearbeitet haben, deutlich mehr arbeiten müssen, werden die schneller krank. Das ist ein Nullsummenspiel.“ Pöschl erlebt als Personalrätin die Folgen: „Jeden Monat gibt es Anfragen von Lehrern, wie sie früher aus dem Job rauskommen können.“

Bei gestandenen Mittelschulabsolventen geht einem das Herz auf

Auch Probleme im Umgang mit Cybermobbing und sozialen Medien seien an allen Schularten hochpressant, während oft immer noch die Grundausstattung mit digitalen Tafeln oder Tablets fehle. „Es ist immer wieder so, auch schon an der Grundschule, dass Kinder Pornos oder politisch-rassistische Videos auf ihrem Handy haben und verticken“, berichtet Elisabeth Pöschl.

Dennoch erleben beide den Lehrberuf immer wieder auch als sehr erfüllend. Hans Weidmann: „Ich würde es sofort wieder machen. Ich war mein Leben lang gerne Lehrer. Der Umgang mit jungen Leuten ist etwas Tolles. Wenn man in der Mittelschule sieht, wie die Schüler in der fünften Klasse hereinkommen und den Kopf hängen lassen, weil sie ‘nur‘ auf die Mittelschule gehen und von anderen gesagt bekommen, sie seien ‘die Loser‘ – und dann vergleicht man das damit, wie sie die Mittelschule verlassen. Das sind junge, fast erwachsene Leute, die so viel an Wissen und Selbstvertrauen dazu gewonnen haben. Auf der Straße werde ich immer wieder mal angesprochen von ehemaligen Schülern und erfahre so von ihrem manchmal erstaunlichem Werdegang – das ist schon schön.“

Gute Bildungschancen ermöglichen: Ein Auftrag an die Verantwortlichen

Das erlebt auch Elisabeth Pöschl so: „Unser Job ist jeden Tag spannend. Wenn die Türe aufgeht, weiß man nicht, was heute wieder passiert. Ich sehe das positiv, es wird nie langweilig. Die Entwicklung der Kinder mitzuverfolgen, gerade an der Grundschule, ist der Wahnsinn. Die erste Klasse ist ein Traum, wenn man sieht, was die am Ende des ersten Jahres können: lesen, schreiben, rechnen.“

Damit die hohe Motivation der Lehrkräfte erhalten bleibt und sie ihren Beruf gesund ausüben und Kindern damit Entwicklungschancen eröffnen können, braucht es aber aus Sicht des BLLV mehr Wertschätzung für diesen Einsatz, vernünftige zeitgemäße Arbeitsbedingungen, eine Fokussierung der Aufgaben von Schule, ein solides langfristiges Personalkonzept und konkrete Rückendeckung im Alltag.

» zum Bericht der Passauer Neuen Presse: “‘Der Beruf wird zunehmend schwieriger‘: Lehrer aus dem Landkreis Passau im Interview“ (kostenpflichtig)